CO2-Tabelle vs. O2-Tabelle: Was ist der Unterschied?
Wer sich schon etwas länger mit dem Apnoetauchen beschäftigt, ist unweigerlich auf die Begriffe CO2-Tabelle und O2-Tabelle gestoßen. Beide sind strukturierte Atemhaltetrainingsprotokolle, die von Freitauchern auf der ganzen Welt eingesetzt werden — von Anfängern im Schwimmbad bis hin zu Wettkampftauchern — um länger unter Wasser bleiben zu können. Obwohl sie jedoch stets in einem Atemzug genannt werden, zielen diese beiden Methoden auf vollkommen unterschiedliche physiologische Systeme ab und verfolgen jeweils eigene Zwecke im Training. Sie zu verwechseln — oder schlimmer noch, eine davon zu vernachlässigen — kann den Fortschritt erheblich verlangsamen.
In diesem Artikel erklären wir die Wissenschaft hinter beiden Tabellentypen, zeigen konkrete Beispiele, vergleichen sie direkt miteinander und geben dir einen klaren Rahmen, wie du beide in deine Trainingswoche integrieren kannst.
Die Physiologie des Atemanhaltens
Um zu verstehen, warum CO2- und O2-Tabellen so unterschiedlich funktionieren, muss man zunächst verstehen, was während eines Atemanhaltens im Körper passiert.
Der Atemdrang wird nicht durch Sauerstoffmangel ausgelöst — sondern durch den Anstieg von Kohlendioxid (CO2). Wenn deine Muskeln beim Tauchen Sauerstoff verbrauchen, sammelt sich CO2 im Blut an. Die Chemorezeptoren des Gehirns registrieren diesen CO2-Anstieg und senden ein immer dringlicheres Signal ans Zwerchfell: Jetzt atmen! Das sind die unangenehmen Kontraktionen, die beim Atemanhalten auftreten. Dieses CO2-bedingte Warnsignal setzt ein, lange bevor der Sauerstoffspiegel tatsächlich gefährlich wird.
Die eigentliche physiologische Grenze wird hingegen durch den Sauerstoffmangel bestimmt. Wenn die Sauerstoffsättigung im Blut unter einen kritischen Schwellenwert fällt — etwa 50 % SpO2 bei untrainierten Personen — kann es ohne Vorwarnung zum Bewusstseinsverlust (Shallow Water Blackout) kommen. Deshalb ist Freitauchen ohne Partner immer gefährlich.
Diese beiden Systeme — CO2-Toleranz und O2-Effizienz — können unabhängig voneinander trainiert werden. Genau das leisten CO2- und O2-Tabellen.
Was ist eine CO2-Tabelle?
Eine CO2-Tabelle ist darauf ausgelegt, deine Toleranz gegenüber der CO2-Ansammlung zu erhöhen. Das Protokoll ist einfach: Du führst eine Reihe von Atemhalteübungen mit einer festen Dauer durch, aber die Erholungspausen zwischen den Apnoen werden schrittweise kürzer. Da jede Pause kürzer ist, sinkt der CO2-Spiegel nicht vollständig auf den Ausgangswert zurück, bevor die nächste Apnoe beginnt. Dein Körper passt sich allmählich daran an, bei höheren CO2-Werten zu funktionieren — und den Atemdrang zu tolerieren.
Das praktische Ergebnis? Deine Kontraktionen setzen später ein, fühlen sich weniger überwältigend an, und deine mentale Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Atemdrang verbessert sich deutlich. Für Anfänger ist dies oft das wirksamste Training überhaupt. Die Angst und das Unbehagen durch Kontraktionen sind häufig der wichtigste limitierende Faktor — nicht der eigentliche Sauerstoffmangel.
CO2-Tabellen werden typischerweise im Schwimmbad (statische Apnoe) oder auf einer Trainingsmatte durchgeführt. Die Haltezeit wird auf etwa 60–75 % der persönlichen Bestleistung festgelegt, was die Einheit fordernd, aber wiederholbar macht.
Beispiel CO2-Tabelle (8 Runden, Haltezeit = 1:30)
| Runde | Haltezeit | Pause |
|---|---|---|
| 1 | 1:30 | 2:30 |
| 2 | 1:30 | 2:15 |
| 3 | 1:30 | 2:00 |
| 4 | 1:30 | 1:45 |
| 5 | 1:30 | 1:30 |
| 6 | 1:30 | 1:15 |
| 7 | 1:30 | 1:00 |
| 8 | 1:30 | 0:30 |
Beachte, dass die Haltezeit konstant bleibt. Was sich verändert, ist das Erholungsfenster. In Runde 8 gehst du mit nur 30 Sekunden Pause in eine volle 1:30-Apnoe — eine echte Herausforderung, die deinen Körper zur Anpassung zwingt.
Was ist eine O2-Tabelle?
Die O2-Tabelle kehrt die Formel um. Hier ist die Erholungspause fest, und die Haltezeiten werden schrittweise länger. Das Ziel ist nicht mehr die CO2-Toleranz — sondern deinen Körper zu trainieren, mehr Sauerstoff pro Atemzug zu verwerten und deine eigentliche physiologische Grenze weiter hinauszuschieben.
Mit jeder weiteren Apnoe startest du von einem leicht niedrigeren Sauerstoff-Ausgangswert. Dein Körper lernt, mit einer niedrigeren arteriellen Sauerstoffsättigung umzugehen, die Herzfrequenzreaktion wird effizienter (der Tauchreflex der Säugetiere vertieft sich), und deine Milz — die bei trainierten Freitauchern als natürliches Sauerstoffreservoir fungiert — lernt, bei Bedarf mehr rote Blutkörperchen freizusetzen.
O2-Tabellen sind physiologisch anspruchsvoller und mit einem höheren Sicherheitsrisiko verbunden als CO2-Tabellen. Sie sollten nur in Anwesenheit eines erfahrenen Partners durchgeführt werden, idealerweise im Schwimmbad, wo du im Falle eines hypoxischen Ereignisses sofort gerettet werden kannst.
Beispiel O2-Tabelle (8 Runden, Pause = 2:00)
| Runde | Haltezeit | Pause |
|---|---|---|
| 1 | 1:00 | 2:00 |
| 2 | 1:15 | 2:00 |
| 3 | 1:30 | 2:00 |
| 4 | 1:45 | 2:00 |
| 5 | 2:00 | 2:00 |
| 6 | 2:10 | 2:00 |
| 7 | 2:20 | 2:00 |
| 8 | 2:30 | 2:00 |
Jede Apnoe ist etwas länger als die vorherige, während die Pause konstant bleibt. In den letzten Runden näherst du dich Haltezeiten an — oder übertriffst sie leicht — die du normalerweise nur ausgeruht erreichen könntest. Das macht O2-Tabellen so wirkungsvoll, und deshalb erfordern sie Vorsicht und Aufsicht.
Wesentliche Unterschiede auf einen Blick
| Kategorie | CO2-Tabelle | O2-Tabelle |
|---|---|---|
| Hauptziel | CO2-Ansammlung tolerieren; Atemdrang reduzieren | O2-Effizienz verbessern; eigentliche Grenze verschieben |
| Was sich ändert | Pausenzeit (nimmt ab) | Haltezeit (nimmt zu) |
| Was konstant bleibt | Haltezeit | Pausenzeit |
| Wann einsetzen | Anfänger bis Fortgeschrittene; jederzeit | Fortgeschrittene; nur mit Partner |
| Sicherheitsniveau | Geringes Risiko | Höheres Risiko — Aufsicht erforderlich |
| Hauptgefühl | Atemdrang, Kontraktionen | Tiefe Entspannungsherausforderung, mögliche Hypoxie |
Mit welcher solltest du zuerst trainieren?
Die Antwort ist klar: Beginne mit CO2-Tabellen. Für die meisten Anfänger ist der limitierende Faktor kein Sauerstoffmangel — es ist das überwältigende Unbehagen durch die CO2-Ansammlung. Die Kontraktionen, die Panik, der mentale Widerstand, still zu bleiben, wenn jeder Instinkt schreit „Atme!" — das sind alles CO2-bedingte Reaktionen.
Indem du zuerst die CO2-Toleranz aufbaust, entwickelst du die mentale Gelassenheit und körperliche Vertrautheit mit dem Unbehagen, die jedes nachfolgende Training sicherer und produktiver machen. Du wirst außerdem feststellen, dass sich deine persönliche Bestleistung durch das bloße Erlernen, während Kontraktionen ruhig zu bleiben, erheblich verbessert — ohne jemals deine tatsächlichen Sauerstoffgrenzen ausreizen zu müssen.
O2-Tabellen werden wertvoll, sobald du eine solide CO2-Basis aufgebaut hast — typischerweise nach mehreren Monaten konsequenten Trainings. Zu diesem Zeitpunkt ist die CO2-Toleranz nicht mehr dein Hauptlimiter, und du musst die Sauerstoffseite angehen, um weiter voranzukommen.
Wie du beide Tabellen in einer Trainingswoche kombinierst
Für fortgeschrittene Freitaucher, die dreimal pro Woche trainieren, könnte ein gut strukturierter Wochenplan so aussehen:
- Montag: CO2-Tabelle (statische Apnoe, Schwimmbad oder trocken) — Fokus auf Entspannung während der Kontraktionen
- Mittwoch: O2-Tabelle (nur Schwimmbad, Partner erforderlich) — Haltezeit schrittweise steigern
- Donnerstag oder Freitag: CO2-Tabellen-Variante oder dynamisches Apnoetraining
Führe nie zwei O2-Tabellen an aufeinanderfolgenden Tagen durch. Dein Körper braucht Erholungszeit zwischen Einheiten, die die Sauerstoffgrenzen belasten. CO2-Tabellen sind weniger anstrengend und können häufiger durchgeführt werden, profitieren aber ebenfalls von mindestens einem Ruhetag zwischen den Einheiten.
Vermeide es, eine O2-Tabelle am Tag nach einem Training durchzuführen, das dich körperlich oder mental erschöpft hat. Ermüdung erhöht das Risiko eines hypoxischen Ereignisses drastisch. Im Zweifel lieber eine CO2-Tabelle machen — das ist immer die sicherere Wahl.
Beide Tabellen mit Anima Apnea verfolgen
Eine der häufigsten Fragen von Freitauchern lautet: „Wie weiß ich, welche Haltezeit und Pausenzeit für mein Niveau richtig ist?" Die Antwort hängt ganz von deiner aktuellen persönlichen Bestleistung ab — und sie verändert sich, wenn du dich verbesserst.
Anima Apnea ist eine Apnoe-Trainings-App, die automatisch sowohl CO2- als auch O2-Tabellen generiert, die auf deine persönliche Bestleistung abgestimmt sind. Wenn sich dein PR verbessert, passen sich die Tabellen in Echtzeit an. Du musst keine Prozentsätze manuell berechnen oder dich fragen, ob du mit der richtigen Intensität trainierst — die App übernimmt das alles.
Über die Tabellengenerierung hinaus verfolgt Anima Apnea deine Trainingshistorie, visualisiert deinen Fortschritt über die Zeit und bietet strukturierte Trainingspläne, die CO2- und O2-Arbeit über die Woche ausbalancieren. Egal ob du Anfänger bist, der gerade mit den ersten CO2-Tabellen beginnt, oder ein erfahrener Taucher, der auf 4-minütige statische Apnoe abzielt — die App passt sich deinem Niveau an.
Die Kombination aus dem Verstehen der Wissenschaft, konsequenter Praxis und dem Einsatz intelligenter Tools zur Trainingssteuerung ist das, was Freitaucher, die stagnieren, von denen unterscheidet, die Jahr für Jahr Fortschritte machen. Starte mit CO2, füge O2 hinzu wenn du bereit bist, und lass die Daten dich vorwärts führen.
Anima Apnea generiert automatisch CO2- und O2-Tabellen basierend auf deiner persönlichen Bestleistung.
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